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Was hilft Menschen mit Demenz im Alltag?

Welche Tipps gibt es für den Alltag?

  • Anpassen des Tempo
  • Passen Sie sich dem Tempo des Betroffenen an. Alles verläuf beim ihm/ihr langsamer, der Denkprozess wie die Handlungsabläufe.  Bedenlen Sie das ein Mensch mit Demenz fast alles, was er/sie erlebt oder gesagt bekommt, sofort wieder vergisst. Also ist ihm/ihr vieles unbekannt und fremd, was uns vertraut ist. Beispielsweise beim Anziehen kann ein Betroffener Schwierigkeiten haben die Hose von der Bluse zu unterscheiden.

  • Bilder und Ängste ernst nehmen
  • Menschen können Halluzinationen haben, die Ihnen Angst machen. Zum Beispiel kann es vorkommen, dass sie sich von einer Person bedroht fühlen, die sie in der Zimmerecke sehen. Es gibt aber auch Halluzinationen, die positiv besetzt sind, in denen eine bekannter Verwandter gesehen oder gehört wird.

  • Geben Sie nicht vor, dasselbe zu sehen oder zu hören. Versuchen Sie ihren Angehörigen zuberuhigen, wenn er/sie eine angst erzeugende Halluzination hat. Sie können Sicherheit vermitteln, in dem Sie sagen: „Ich sehe die Person nicht, aber ich spüre das sie dir Angst macht. Soll ich sie weg zuschicken?.“ 

  • Keine neuen Dinge lehren
  • Neue Dinge lernen fällt einem Menschen mit Demenz sehr schwer. Tätigkeiten, die er/sie kurz zuvor noch bewältigen konnte, wie zu Bett gehen oder mit Messer und Gabel essen, sind jetzt zu schwierig geworden. Sie können nicht wieder neu gelernt werden, da das Gedächtnis dafür nicht mehr ausreicht. Gehen Sie auf die Fähigkeiten ein, die er/sie noch bewältigen kann.

  • Personen mit Demenz verlieren im Verlauf der Erkrankung zunehmend die Fähigkeit, den gewohnten Beschäftigungen und Hobbies selbstständig nachzugehen. Aktivität und Erfolgserlebnisse sind jedoch für die seelische Gesundheit wichtig. Oft bietet eine rücksichtsvolle Begleitung durch Angehörige oder Freunde eine wichtige Unterstützung.

  • Vermeiden Sie es als Betreuungsperson, die Betroffenen auf Fehler hinzuweisen.

  • Stehen Sie, wenn notwendig, begleitend zur Seite, aber lassen Sie Selbstständigkeit zu.

  • Spielregeln sollten nicht zu eng gesehen werden. Der Spaß steht im Vordergrund!


Welche Aktivitäten und Beschäftigungen kann man anbieten?

  • Alltagsbeschäftigungen

  • Im Alltag eingebautes Üben (wenn erforderlich mit Unterstützung) alltäglicher Fähigkeiten wie Ankleiden, Frisieren, Essen, Schreiben, Telefon oder Handy bedienen, Einstellen der Uhrzeit etc. 

  • Hilfe bei der Hausarbeit

  • Zubereitung einfacher Speisen, Gartenarbeit, Lesen von Büchern und Zeitschriften, Rechenübungen sowie

  • Gespräche über für die Person mit Demenz wichtige Themen oder Erlebnisse aus der Lebensgeschichte. 

  • Wahrnehmungsübungen

  • Bewusstes Sehen, Tasten, Hören, Riechen und Schmecken trainieren (kann auch in den Alltag, z.B. bei Spaziergängen, eingebaut werden)

  • Fühlsack (Ertasten und Erraten von Gegenständen)

  • Blumen, Gewürze, Duftöle etc. riechen und erkennen

  • Suchbilder, Bildausschnitte erraten (Was ist es?)

  • musizieren und singen

  • Lieblingsmusik anhören

  • Rhythmen erkennen (Walzer, Polka, Tango etc.) 

  • Spiele und kreative Aktivitäten

  • Computer bedienen – z.B. Computerspiele bzw. -programme für das Training von Demenzpatientinnen/-patienten

  • Mandalas malen, Ausmalen von Bildern

  • Puzzle, Memory, Domino, Kartenspiele, Mensch ärgere dich nicht 

  • Bewegung

  • Spazieren gehen

  • einfache Ball- oder Bewegungsspiele

  • Gruppentanz, Sitztanz sowie leichte Kräftigungs- und Koordinationsübungen


Welche Betreuungskonzepte helfen im Alltag?

In der Pflege werden u.a. folgende spezielle Betreuungskonzepte umgesetzt:


Die Milieutherapie ist ein ganzheitlicher Ansatz für die Betreuung von Menschen mit Demenz. Sie setzt an der Persönlichkeit des Menschen mit Demenz selbst an, seinem Wohn -und Lebensraum, seinem sozialen Umfeld und an der Betreuungsatmosphäre. Ziel der Milieutherapie ist es, Symptome wie Angst und Unruhe zu lindern, noch vorhandene Fähigkeiten zu fördern, um den Alltag so lang wie möglich bewältigen zu können sowie ein zu Hause in Geborgenheit zu schaffen. Hierzu wird eine feste Tagesstruktur für den Menschen mit Demenz sichergestellt, die Einbeziehung von Informationen zu seinem Leben (Biographiearbeit) mit in die alltägliche Betreuung sowie die Gestaltung seines Wohnumfeldes einbezogen und ggf. Hilfsmittel zur Verfügung gestellt.


Die Validation ist eine Methode, um mit Menschen mit Demenz zu kommunizieren. Diese Technik hilft Stress abzubauen und ermöglicht Menschen mit Demenz, Würde und Glück wieder zu erlangen. Validation basiert auf einem empathischen Ansatz und einer ganzheitlichen Erfassung des Individuums. Indem man "in die Schuhe" eines anderen Menschen schlüpft und "mit seinen Augen sieht", kann man in die Welt des desorientierten Menschen vordringen und die Gründe für sein manchmal seltsames Verhalten enträtseln.

 


Eine feste Tagesstruktur mit Ritualen und einfachen Regeln sind oft „Sicherheitsgurte“ für Menschen mit Demenz. Beständigkeit und Überschaubarkeit im Tagesablauf sind für die Orientierung sehr wichtig. Wiederkehrende Aktivitäten sollten immer auf den gleichen Zeitpunkt gelegt werden (z.B. Badetag ist stets Freitag). Auch regelmäßige Mahlzeiten gliedern die Zeit. Ein klar strukturierter Tagesablauf beugt nächtlicher Unruhe vor. Auch neue Rituale helfen den Tag zu strukturieren. Eine Tagesstruktur verschafft für den Betroffenen Sicherheit und Orientierung, hilft ihm den Tag in Abschnitte zu gliedern, so können verbliebene Fähigkeiten erkannt, gefördert und eine Überforderung aller Beteiligten vermieden werden.

 


Der Einsatz von Orientierungshilfen gilt zwar nicht als ein spezielles Betreuungskonzept, soll jedoch Menschen mit Demenz helfen, sich örtlich, zeitlich und zur Person zu orientieren. Hierzu dienen Kalender, Uhren, Symbole an der Tür, wie Fotos, Poster von z.B. Tieren und persönliche Gegenstände aus dem Alltag. Selbstverständlich sollten Menschen mit Demenz immer mit ihrem Namen angesprochen werden.


Durch das Realitäts-Orientierungs-Training, kurz ROT, sollen vorhandene Fähigkeiten gefördert werden. ROT wird zumeist im Anfangsstadium einer Demenz angewendet. Der Einsatz des Konzeptes erfolgt nicht generell, sondern wird individuell entschieden. Menschen mit Demenz können dabei verschiedene Fähigkeiten wieder neu erlernen oder vorhandene erhalten.


Welche therapeutischen Angebote gibt es?

Die Musiktherapie und auch Tanzangebote helfen die Isolation von Menschen mit Demenz zu durchbrechen und lassen Gemeinschaft erfahren, z.B. durch Singen, Sitztänze, Bewegung nach Musik, Gruppen - und Partnertänze. Die Musiktherapie hilft den Betroffenen u.a. eigene Gefühle und Probleme ohne Worte auszudrücken. Diese Angebote werden sowohl in Pflegeeinrichtungen als auch ambulant nach § 45 a ff. SGB XI angeboten.


Physiotherapie (Krankengymnastik) erhält und fördert die Beweglichkeit. Die Schulung der Körperwahrnehmung durch gezielte Physiotherapie soll die Selbstständigkeit erhalten. Bewegungsabläufe und – übergänge sollen im Gehirn verknüpft und gespeichert werden. Darüber hinaus können Sport und Gymnastik- Angebote das Zusammenspiel zwischen den sensorischen und motorischen Nerven verbessern. In Einzel-, Partner- und Gruppenübungen, wird dies z.B. durch Übungen zur Körperwahrnehmung, durch Konzentrationsübungen sowie Greif- und Halteübungen erreicht.


Ergotherapie (Beschäftigungstherapie) fördert die Tätigkeiten des täglichen Lebens, wie Anziehen, Waschen, Essenzubereitung und hilft damit die Pflegebedürftigkeit möglichst lange hinauszuzögern. Es werden vorhandene Fähigkeiten, Interessen und Selbständigkeit gezielt mit handwerklichen und kreativ-gestalterischen Angeboten, wie Holzarbeiten, Weben, Malen, Tonarbeiten in Einzel-, Partner- und Gruppenübungen unterstützt.

 

Hier können Sie die Informationen als PDF herunterladen: Was hilft Menschen mit Demenz im Alltag?